Wie kam Cannabis zu seiner Illegalität?

Cannabis. Hat schon ein bisschen was Unanständiges, nicht? Heilpflanze hin oder her, die Aura des kriminellen und bösen wird das Rosenartige nicht wirklich los. Woher stammt dieser Ruf und ist er gerechtfertigt? Und was bitte hat das mit CBD zu tun? Zur Beantwortung dieser Fragen müssen wir mal wieder unsere Historienwälzer abstauben und uns ins letzte Jahrhundert denken. Ready? Es lohnt sich.

CBD minus 100 Jahre

Liebe Damen, bitte einmal in den Flapper steigen, liebe Herren, bitte einmal die Knickerbocker überziehen. Wir befinden uns in den goldigen 1920er Jahren. Der Erste Weltkrieg liegt hinter uns (das es der «Erste» war und ein «Zweiter» folgen sollte, wissen wir noch nicht) und wir feiern gebührend mit ausschweifenden Partys. Das Kino geht zögerliche Schritte in Richtung Vertonung, in den Buchläden steht Fitzgeralds «The Great Gatsby» und wir tanzen zu Swing und Schlager. Die Entdeckung von Penicillin und Insulin verändert die Medizin grundlegend. Cannabis steht in Apotheken weltweit. Hanf ist ein wichtiger Rohstoff. Was ist also passiert? Packt eure Kniesocken und euer Marlene-Dietrich-Poster ein, wir nehmen den Transatlantiker Richtung Vereinigte Staaten von Amerika, da finden wir die Antwort auf all unsere Fragen.

To the land of the free!

Wie vielerorts, ist Cannabis auch in den Vereinigten Staaten von Amerika fulminant gestartet. Seine ersten Siedler mussten ihm einen Viertel ihrer Anbaufläche überlassen, die Unabhängigkeitserklärung wurde auf Hanfpapier geschrieben und George Washington rauchte Cannabispfeiffen, um seine Zahnschmerzen zu lindern. Die Zäsur sollte in den 1930er Jahren folgen. 1933 beendete das Land die Alkoholprohibition, das «Noble Experiment» zur moralischen Gesundung des Landes produzierte vor allem eines: Kriminalität. Das organisierte Verbrechen florierte und Exponenten wie Al Capone erreichten Kultstatus. Tausende von Arbeitskräften, die für die Überwachung des Alkoholverbots verantwortlich waren, stehen nun ohne Arbeit da. Allen voran, der Vorsteher des Federal Bureau of Narcotis, Harry Jacob Anslinger. Der Sohn von deutsch-schweizer Migranten ist vom Glauben an eine bessere und moralisch überlegene Gesellschaft ohne Drogen getrieben. 1935 begibt er sich wegen nervlicher Belastung in eine Klinik, seine aufstrebende Karriere steht vor dem Aus. Das Federal Bureau of Narcotics braucht ein neues Zugpferd und die Unglückliche sollte Cannabis heissen. Bisher hatte sich die Behörde kaum mit dem Kraut befasst und die Experten stuften es als harmlos ein, doch Anslinger hatte eine neue Aufgabe und warf die Propagandamaschinerie an. Anslinger hat die Cannabisprohibition nicht erfunden, doch wird er das Bild der Pflanze grundlegend verändern. Mit Propagandafilmen wie «Reefer Madness» von 1936 wird Cannabis zu einem unberechenbaren Monster (hier geht's zum Trailer). Behauptungen, dass der Konsum die Persönlichkeit grundlegend verändere, gewaltbereit mache und zügelloses sexuelles Verlangen verursache werden vom Federal Bureau of Narcotics systematisch verbreitet. Behauptungen, die sich jeglicher wissenschaftlichen Grundlage entzogen. Ein prominentes Beispiel, für die Ignoranz gegenüber wissenschaftlichen Einsprüchen finden wir in den 1940er Jahren. Der damalige Bürgermeister Fiorella la Guardia ernannte ein Komitee von über dreissig Wissenschaftlern, welche die medizinischen, soziologischen und psychologischen Aspekte des Cannabiskonsums in New York City bewerten sollten. Das Ergebnis: Es gibt keinen Zusammenhang zwischen Kriminalität und Cannabis, keinen Zusammenhang mit Aggressionen oder antisozialem Verhalten, keine Beweise für Persönlichkeitsveränderungen oder sexuelle Überstimulation. Anslinger und seine Behörde diskreditierten diese und viele andere Studien, die der Dämonisierung von Cannabis widersprachen. Vermeintlich moralische Überlegenheit sollte fortan die Drogenpolitik des Landes dominieren.

Unheilige Allianzen

Die Karriereambitionen eines Politemporkömmlings alleine haben die Anticannabismaschinerie aber nicht getragen. Anslinger traf mit seiner Propaganda den Puls der Zeit. Seine Behörde verwendete zum Beispiel gezielt den spanischen Begriff «Marihuana». Die Implikation, dass Minderheiten am vermeintlichen Cannabisproblem die Schuld tragen, war geboren. «Cannabis lässt Schwarze denken, sie wären so gut wie Weisse», so Anslinger. Der Beamte nutzte die Gunst der Stunde und beteiligte sich mit seiner Anticannabisagitation an der Marginalisierung von Einwanderern und Afroamerikanern. Cannabis wurde zum Kerosin für den inneramerikanischen Rassismus. Ein Motiv, dem sich auch spätere Amtsträger gerne bedienten. Richard Nixon beispielsweise, unterschrieb 1970 den «Controlled Substance Act», der Cannabis fortan auf eine Stufe mit Heroin und Kokain stellte. Ein Entscheid, der im Kontext der Antikriegsproteste während des Vietnamkriegs getroffen wurde. Die Regierung Nixon konnte so das «Feindbild» Hippie und Kriegsverweigerer fast schon über Nacht zum Kapitalverbrecher machen.

Neben der Droge Cannabis, kam auch der Rohstoff Hanf zusehends unter Druck. Neue Wirtschaftsmächte konnten von einer Anticannabispolitik nur profitieren. 1937 lancierte die USA den «Marihuana Tax Act», der neu massive Steuern auf Hanf, seine Produkte und Produzenten erhob. Das Gesetz sollte die Hanfindustrie in die Knie zwingen. Baumwolle und Holz sollten den Rohstoff Hanf ablösen. Chemiekonzerne, wie DuPont beispielsweise, deren Interesse künstlich hergestellten Fasern galt, profitierten stark von der Cannabisprohibition. Um diese einheimischen Wirtschaftsinteressen zu vertreten, begannen die USA auch international Einfluss zu nehmen. Länder mit einer signifikanten Hanfproduktion wurden gezielt unter Druck gesetzt. Die amerikanische Cannabispolitik sollte ihren Weg auf die internationale Bühne finden.

Let’s go global!

Harry J. Anslingers Strategie ging auf, die Cannabisprohibition rettete seine Karriere und seine Behörde. In den 1940er Jahren sollte er sogar noch eine Treppe mehr erklimmen und die internationale Hanfpolitik nachhaltig beeinflussen. 1947 wurde er in die UN-Drogenkommission beordert. Dort forcierte er das weltweite Verbot des Cannabisanbaus und war federführend an der Ausarbeitung des UN-Einheitsabkommens über die Betäubungsmittel von 1961 beteiligt. Die anslingschre Cannabispolitik war international angekommen. Und sollte bleiben. Bis heute.

Was hat das nun mit CBD zu tun?

Was hat das nun mit Deinem CBD Öl zu tun? Leider viel mehr, als das einem eigentlich lieb ist. Wir erinnern uns hier zum Beispiel an unseren Blog zum Thema «CBD: Zur Einnahme nicht geeignet». Die amerikanische Propagandamaschine hat das Bild von Cannabis grundlegend verändert und so eine rationale Auseinandersetzung mit der Thematik lange verunmöglicht. Aus einer Nutz- und Heilpflanze wurde eine harte Droge und es braucht noch viel Aufklärungsarbeit, um dieses Bild wieder zu korrigieren. Durch die Kriminalisierung wurde die wissenschaftliche Forschung vielerorts verunmöglicht. Es klafft eine gewaltige Wissenslücke, was die Einschätzung einzelner Wirkstoffe der Cannabispflanze anbelangt. Was an Forschung da ist, deutet auf ein riesiges Potential hin, ein Potential, dass schon vor Jahrzehnten hätte ausgeschöpft werden können. Wir erleben ein politisches Tauwetter doch begegnen wir noch zu oft Vorurteilen aus der amerikanischen Propagandadruckerei. 80 Jahre Gehirnwäsche lassen sich nicht von heute auf morgen entfernen. Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt, wir müssen neue Entscheidungsgrundlagen für unsere Drogenpolitik schaffen. Wir müssen Cannabis auf rationalen Boden setzen. Cannabis gehört weder bagatellisiert noch dämonisiert, sondern erforscht und neu gedacht.

Seid nächstes Mal wieder dabei, wenn es da heisst: Grünkraft unternimmt Zeitreisen.

Einmal mediale Alternative bitte:

Quarks - Die Geschichte des Verbots von Cannabis
ProSieben Galileo - Darum ist Cannabis verboten
BR24 - Alkohol vs Cannabis: Warum Trinken legal und Kiffen illegal ist!
TerraX Lesch & Co - Wie gefährlich ist Hanf?


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